Architektur kompakt – Systemkonkurrenz: vom Hansa-Viertel zur Karl-Marx-Allee

Termin

Samstag, 25. Mai 2024, 14.00 bis 17.00 Uhr

Unterrichtseinheiten: 3

Ort

Treffpunkt: am „Berlin-Pavillon“ des Hansa-Viertels (jetzt Burger-King), Straße des 17. Juni /Ecke Klopstockstraße, S-Bahn Station Tiergarten

Zielgruppe

Die Veranstaltung ist vor allem für Architektinnen und Architekten gedacht, die in Berlin noch nicht heimisch sind und für alle, die ihre Stadt neu kennenlernen wollen.

Lernziel

Die Teilnehmenden lernen die komplexe Entwicklung Berlins und dessen Architekturgeschichte kennen. Aus jeder Epoche werden Beispiele gezeigt und bis ins Detail analysiert, dazu in der Diskussion stehende Projekte und „Problemzonen“.

Inhalt

Eine Wanderung durch die Berliner Baugeschichte.

Es gibt zwei Städte, die die gesamte deutsche Baugeschichte repräsentieren, Berlin und Köln. Köln von der Antike bis zum Ende des Mittelalters und Berlin, das vielleicht von Köllnern mitbesiedelt wurde, von der Renaissance bis in die Gegenwart. Kein Wunder, dass die zwei bekanntesten Gebäude dort stehen: der Kölner Dom, um die Zeit seiner Gründung 1248 wird Berlin gerade zum ersten Mal aktenkundig. Und das Brandenburger Tor, mit dem Berlin Avantgarde der Weltarchitektur ist. Diese Rolle besaß Köln im Mittelalter, unvergleichlich sind die romanischen Kirchen und im Dom kulminiert die Gotik. Ebenso unvergleichlich ist der Berliner Klassizismus. Und das Bauhaus als ein wesentlicher Teil der Moderne ist, kess gesagt, eine Berliner Erfindung. Köln ist monozentrisch, der Dom ist sichtbar die Mitte und auf einem Halbkreis, der „via sacra“, kann man Kölns Romanik erwandern. Berlin ist polyzentrisch, oder, um einen neuen Titel Bob Dylans abzuwandeln, „Berlin contains multitudes“. Jeder Bezirk ist sein eigener Kosmos, und alle glauben das auch von ihrem Kiez. Berlin kann man nicht erwandern, und die Bezirke sind Großstädte. Aber man kann ihre Eigenarten entdecken, ihre Bedeutung in der Stadtentwicklung, ihre Position zu Berlins Mitte, die Spuren von Schinkel und den Modernen, um so im Kleinen ein Bild des Gesamten zu erkennen – pars pro toto.


SYSTEMKONKURRENZ – vom Hansa-Viertel zur Karl-Marx-Allee

Das „Hansa-Viertel“ südlich des großen Spreebogens wurde nach 1885 angelegt und war bis zu seiner vollständigen Zerstörung ein vornehmes, urbanes Quartier. Zur „Internationalen Bauausstellung 1957“ erstand es neu als Wohnlandschaft. Entworfen von einer Architektenriege erster Klasse unter der Ägide von Otto Bartning und im Geiste der „Charta von Athen“. Deren Vision einer nach Funktionen (Wohnen, Arbeit, Freizeit, Verkehr) getrennten Stadt hatte Johannes Göderitz zur „Gegliederten und aufgelockerten Stadt“ für Nachkriegsdeutschland weiterentwickelt.
Das mag auch Hans Scharoun (es war die Zeit von Brasilia und Chandigarh) vorgeschwebt haben, als er mit Ludmilla Herzenstein zwei spätmoderne Laubenganghäuser an die ehemalige Frankfurter Allee setzte. Es waren die ersten an der ebenfalls zerstörten Straße und sie gefielen Walter Ulbricht nicht. „So könne man auf einer Wiese bauen, aber nicht inmitten einer Metropole.“
Im Rahmen des „Nationalen Aufbauwerks“ planten Kollektive um Hermann Henselmann in kürzester Zeit eine Prachtallee mit städtebaulichen Akzenten, differenzierten Baukörpern und Fassaden, mit Werkstein und Meißner Kacheln. Das monumentale mixtum compositum aus stalinistischen “Zuckerbäckerstil“ und einer gern übersehenen Portion Schinkel wurde im Westen belächelt, und Aldo Rossi auch, weil er zu Beginn der Postmoderne die umbenannte Karl-Marx-Allee, ihrer räumlichen Qualitäten wegen, als Vorbild lobte.
1974 hatte Joseph Paul Kleihues Berlin mit dem “Block 270“ am Vinetaplatz überrascht, der frühesten Block- und Hofbebauung seit dem Krieg, und damit den Paradigmenwechsel eingeleitet, den er als „IBA“-Direktor weiterführte.
Die Antipoden städtebaulicher Konzepte, „ Berliner Blockrandbebauung und „Englische Gartenstadt“, Karl-Marx-Allee und Hansa-Viertel lassen sich schwerlich versöhnen, aber dafür stehen sie bald gemeinsam im Buch des Unesco „Weltkulturerbes“.

Referentinnen und Referenten

Prof. em. Dipl.-Ing. Cord Machens, Architekt, Berlin

Gebühr

Mitglieder
25,00 Euro
Absolventinnen und Absolventen
25,00 Euro
Gäste
50,00 Euro