Architektur kompakt – Politische Architektur: vom ehemaligen Reichsluftfahrtministerium zu den Bundesbauten

Termin

Freitag, 24. Mai 2024, 14.00 bis 17.00 Uhr

Unterrichtseinheiten: 3

Treffpunkt

U2 Mohrenstraße. Ausgang Ecke Mohren-/Mauerstraße

Zielgruppe

Die Veranstaltung ist vor allem für Architektinnen und Architekten gedacht, die in Berlin noch nicht heimisch sind und für alle, die ihre Stadt neu kennenlernen wollen.

Lernziel

Die Teilnehmenden lernen die komplexe Entwicklung Berlins und dessen Architekturgeschichte kennen. Aus jeder Epoche werden Beispiele gezeigt und bis ins Detail analysiert, dazu in der Diskussion stehende Projekte und „Problemzonen“.

Inhalt

Eine Wanderung durch die Berliner Baugeschichte.

Es gibt zwei Städte, die die gesamte deutsche Baugeschichte repräsentieren, Berlin und Köln. Köln von der Antike bis zum Ende des Mittelalters und Berlin, das vielleicht von Köllnern mitbesiedelt wurde, von der Renaissance bis in die Gegenwart. Kein Wunder, dass die zwei bekanntesten Gebäude dort stehen: der Kölner Dom, um die Zeit seiner Gründung 1248 wird Berlin gerade zum ersten Mal aktenkundig. Und das Brandenburger Tor, mit dem Berlin Avantgarde der Weltarchitektur ist. Diese Rolle besaß Köln im Mittelalter, unvergleichlich sind die romanischen Kirchen und im Dom kulminiert die Gotik. Ebenso unvergleichlich ist der Berliner Klassizismus. Und das Bauhaus als ein wesentlicher Teil der Moderne ist, kess gesagt, eine Berliner Erfindung. Köln ist monozentrisch, der Dom ist sichtbar die Mitte und auf einem Halbkreis, der „via sacra“, kann man Kölns Romanik erwandern. Berlin ist polyzentrisch, oder, um einen neuen Titel Bob Dylans abzuwandeln, „Berlin contains multitudes“. Jeder Bezirk ist sein eigener Kosmos, und alle glauben das auch von ihrem Kiez. Berlin kann man nicht erwandern, und die Bezirke sind Großstädte. Aber man kann ihre Eigenarten entdecken, ihre Bedeutung in der Stadtentwicklung, ihre Position zu Berlins Mitte, die Spuren von Schinkel und den Modernen, um so im Kleinen ein Bild des Gesamten zu erkennen – pars pro toto.


POLITISCHE ARCHITEKTUR – vom ehemaligen Reichsluftfahrtministerium zu den Bundesbauten

Der „Osterweiterung“ des Deutschen Reiches unter den Sachsenkaiser verdankt Berlin seine Existenz und in geheimnisvollem Zurücksehnen baute es seine Staatsarchitektur im Westen der Stadt. Das Schloss am Westrand der Kernstadt, die Nebenresidenzen (Zitadelle Spandau, Jagdschloss Grunewald, Schloss Charlottenburg und Potsdam) im Westen weit vor der Stadt und gleichsam auf dem Weg dorthin die Regierungsbauten an den Rand des Tiergartens.
Zuerst die Adelspalais in den „Ministergärten“ an der Wilhelmstraße (wo jetzt Landesvertretungen stehen), den Preußischen Landtag (jetzt Bundesrat) und den Reichstag. Die, die ihn angesteckt hatten, setzten sich zielsicher in das traditionsreiche Areal mit der maßstabslosen „Neuen Reichskanzlei“. Albert Speer hatte mit seinem Stab die alten (noch erhaltenen) Säle der Akademie der Künste am Pariser Platz bezogen, wo ihn sein „Führer“ jederzeit auf kurzem Weg und ohne Begleitung besuchen konnte.
Von den „Tausend Jahren“ ist Görings Luftfahrtministerium als Drohung erhalten geblieben und Teile der geheimnisumwobenen Bunkeranlagen. Alles andere wurde zerstört und blieb wüst als es Maueranlage und Todesstreifen wurde. So gab es für Berlins Neuanfang nach der Wende Platz, und der ist gut genutzt worden: für das ergreifende Holocaust-Mahnmal und für die Bundesbauten auf dem Spreebogen, einer glücklichen Synthese von städtebaulichem Weiterdenken und verhalten stolzer, demokratischer Präsenz.
Das alles, zusammen mit den Weltstadtversuchen am Potsdamer- und der Rekonstruktion des Leipziger Platz, ist der, auf dramatische Weise historisch und baugeschichtlich, vielschichtigste Teil Berlins.

Referentinnen und Referenten

Prof. em. Dipl.-Ing. Cord Machens, Architekt, Berlin

Gebühr

Mitglieder
25,00 Euro
Absolventinnen und Absolventen
25,00 Euro
Gäste
50,00 Euro