Termin
Samstag, 6. Juni 2026, 14.00 bis 17.00 Uhr
Unterrichtseinheiten: 3
Ort
Treffpunkt: an der Fußgängerbrücke, Kreuzung Albert-Lindemann-/Blankensteinstraße
(S41/S42 Storkower Straße)
Zielgruppe
Die Veranstaltungsreihe ist für Architektinnen und Architekten gedacht, die in Berlin noch nicht heimisch sind, und für alle, die ihre Stadt neu sehen möchten.
Lernziel
Die Teilnehmenden lernen die komplexe Entwicklung Berlins und seine Architekturgeschichte kennen. Die Wege sind so gewählt, dass sie zum einen die jeweilige „Kiezgeschichte“ im Zusammenhang mit „Großberlin“ erhellen. Zum anderen werden signifikante Beispiele aus jeder Stilepoche berührt, erläutert und diskutiert, dazu aktuelle Projekte und Problemzonen – Wunden und Visionen.
Inhalt
Eine Wanderung durch die Berliner Baugeschichte.
Es gibt zwei Städte, die die gesamte deutsche Baugeschichte repräsentieren: Berlin und Köln. Köln von der Antike bis zum Ende des Mittelalters und Berlin, das vielleicht von Köllnern mitbesiedelt wurde, von der Renaissance bis in die Gegenwart. Kein Wunder, dass die zwei bekanntesten Gebäude dort stehen: der Kölner Dom, um die Zeit seiner Gründung 1248 wird Berlin gerade zum ersten Mal aktenkundig. Und das Brandenburger Tor, mit dem Berlin Avantgarde der Weltarchitektur ist. Diese Rolle besaß Köln im Mittelalter, unvergleichlich sind die romanischen Kirchen und im Dom kulminiert die Gotik. Ebenso unvergleichlich ist der Berliner Klassizismus. Und das Bauhaus als ein wesentlicher Teil der Moderne, ist, kess gesagt, eine Berliner Erfindung.
Köln ist monozentrisch, der Dom ist sichtbar die Mitte und auf einem Halbkreis, der „via sacra“, kann man Kölns Romanik erwandern. Berlin ist polyzentrisch, oder, um einen neuen Titel Bob Dylans abzuwandeln, „Berlin contains multitudes“. Jeder Bezirk ist sein eigener Kosmos, und alle glauben das auch von ihrem Kiez. Berlin kann man nicht erwandern, und die Bezirke sind Großstädte. Aber man kann ihre Eigenarten entdecken, ihre Bedeutung in der Stadtentwicklung, ihre Position zu Berlins Mitte, die Spuren von Schinkel und den Modernen, um so im Kleinen ein Bild des Gesamten zu erkennen – pars pro toto.
DER „FERNE OSTEN“ – von der Rinderauktionshalle zum Hochhaus an der Weberwiese
1871, nach dem Sieg über Frankreich, begannen die „Gründerjahre“ in denen das „Steinerne Berlin“ bis 1900 von 1 auf 2,7 Millionen anwuchs. 1877 war die Ringbahn fertig, die mal in enger Schlucht die Brandwände fast abschneidet, mal im Tal Gewerbegebiete verbindet. Davon ist auf Höhe der Storkower Straße die Rinderauktionshalle erhalten, eindrucksvolles Beispiel der Stahl-Glas-Architektur, die mit Paxtons Kristallpalast in London begonnen hatte. Eine neue, kubistische Siedlung nimmt die Struktur der Stallungen geschickt auf. Daneben beginnt die Mietskasernenstadt, immerhin mit einem Block „Reformarchitektur“ von Alfred Messel.
Durch den malerischen Hof eines ebenfalls neuen, genossenschaftlichen Wohnprojektes gelangt man zum heiteren, detailfreudigen Auftakt der Karl-Marx-Allee, die am Frankfurter Tor erst richtig beginnt. Die stolzen Zwillingstürme zitieren vergrößert die Kuppeltürme auf dem Gendarmenmarkt, die wiederum auf die zwei identischen Kirchen an der Piazza del Popolo in Rom verweisen. Unweit liegt, an dem von Hobrecht geplanten Ring, der nicht so bekannte Bersarinplatz. Er wurde mit Bauten des Systems „WBS 7-Ration“ gefasst, dessen Glaserker der Platte etwas rührenden Charme verleihen. Durch den Weidenweg, der mit einem großen Palladiomotiv überrascht, geht es zum Filmtheater Kosmos, dem Kleinod an der Karl Marx-Allee, und über sie hinweg, an Scharouns kessem Laubenganghaus vorbei zum „Hochhaus an der Weberwiese“, vor dem sich diskutieren lässt, wem Henselmann mehr zugeneigt war, Moskau oder Schinkel.
Referentinnen und Referenten
Prof. em. Dipl.-Ing. Cord Machens, Architekt, Berlin