Die Umfrage „Stimmen aus der Praxis zum Bauen im Bestand“ gibt einen direkten Einblick in die aktuelle Realität der Bau- und Planungspraxis – nicht theoretisch, sondern aus der täglichen Arbeit heraus.
Grundlage sind 157 Stimmen aus dem gesamten Spektrum der gebauten Umwelt. Vertreten sind Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur und Stadtplanung, Ingenieurwesen, öffentliche Verwaltung und Politik, die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft, Handwerk und Ausführung, Industrie und Materialherstellung sowie Zivilgesellschaft, Initiativen, Forschung und Auftraggeberschaft. Die Architektur stellt mit 53 Prozent den größten Anteil. Insgesamt wird deutlich, dass der Umgang mit dem Bestand kein isoliertes Spezialthema einzelner Disziplinen ist, sondern ein interdisziplinäres Arbeitsfeld, in dem unterschiedliche Perspektiven zusammenwirken.
Aus den Antworten entsteht eine vielschichtige Landkarte der Transformation. Im Zentrum stehen Umnutzung und Transformation (17 Prozent) sowie Recht und Governance (16 Prozent). Es folgen Kreislaufwirtschaft sowie soziale und kulturelle Fragen (jeweils 13 Prozent). Weitere Themenfelder umfassen Klimaanpassung, Ökonomie, Digitalisierung und Kompetenzen. Damit wird deutlich, dass Bauen im Bestand kein einzelnes Projekt ist, sondern ein System miteinander verknüpfter Handlungsfelder.
Auch bei den Chancen ergibt sich ein klares Bild: 34 Prozent der Befragten sehen das größte Potenzial in Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft, 24 Prozent im Klimaschutz und in der Energieeffizienz. Jeweils 11 Prozent verweisen auf soziale Strukturen sowie das baukulturelle Erbe. Der Bestand wird damit nicht nur als bauliche Ressource verstanden, sondern auch als Träger von Identität, Nachbarschaft und Geschichte.
Gleichzeitig machen die Ergebnisse die zentralen Herausforderungen sichtbar: Rechtliche und regulatorische Rahmenbedingungen (24 Prozent) sowie Wirtschaftlichkeit und Finanzierung (23 Prozent) stehen an der Spitze. Es folgen zeitlicher Mehraufwand gegenüber dem Neubau (16 Prozent) und fehlende Akzeptanz sowie Beteiligung (14 Prozent). Weitere Hürden sind mangelnde Datenverfügbarkeit und Transparenz (12 Prozent) sowie technische Herausforderungen (7 Prozent). Die größten Herausforderungen liegen damit weniger im Gebäude selbst als in den strukturellen Rahmenbedingungen des Bauens.
Ein zentrales Ergebnis der Umfrage: 90 Prozent der Befragten arbeiten bereits konkret mit dem Bestand. Das zeigt deutlich, dass es sich nicht um eine zukünftige Entwicklung handelt, sondern um gelebte Realität in der Branche.
Die Ergebnisse lassen sich in fünf Handlungsfelder bündeln: politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen, Planungs- und Genehmigungsprozesse, Wissen und Kompetenzen, strategische Ausrichtung sowie ein übergeordnetes Leitbild. Sie zeigen: Umbau gelingt nur, wenn nicht nur Gebäude, sondern auch Regeln, Prozesse und Kompetenzen weiterentwickelt werden.
Im Rahmen des Umbau-Lab wurden die Ergebnisse der Umfrage in zentrale Themenfelder der interdisziplinären Gruppenarbeit überführt: Recht und Governance, Ressourcen und Kreislaufwirtschaft, soziale und kulturelle Perspektiven, Umnutzung und Transformation, Daten und Digitalisierung, ökologische Wirkung und Klimaanpassung, Ökonomie und Finanzierung, Wissen, Kompetenzen und Qualifizierung sowie Prozesse, Zusammenarbeit und Umbaukultur.
Diese Struktur bildet die Grundlage für die vertiefte gemeinsame Arbeit im Umbau-Lab und für die Weiterentwicklung der Berliner Umbau-Agenda.
Wir danken allen Teilnehmenden der Umfrage sowie den Mitwirkenden des Umbau-Lab, die mit ihren wertvollen Impulsen maßgeblich zur inhaltlichen Weiterentwicklung beigetragen haben.
Hier können Sie die Ergebnisse der Umfrage „Stimmen aus der Praxis zum Bauen im Bestand“ einsehen.