07. Januar 2026

Öffentliche Vergaben neu denken

Wie können öffentliche Vergaben in Berlin zukunftsfähig gestaltet werden? Die Vertreterversammlung hat einen klaren Auftrag formuliert: Ein berufspolitisches Grundsatzpapier soll neue Maßstäbe für Wettbewerbe und Vergabeverfahren setzen – mit Fokus auf Qualität, Vielfalt der Akteurslandschaft, Klimaschutz und langfristige öffentliche Interessen. 

Öffentliche Vergaben neu denken: Vertreterversammlung beauftragt Grundsatzpapier zu Wettbewerben und Vergabe

Die Vertreterversammlung ist das demokratisch gewählte Organ der Selbstverwaltung des Berufsstandes und als solche Plattform, Forum und zentraler Ort für berufspolitische Grundsatzentscheidungen. In 2025 wurde die Vertreterversammlung neu gewählt. Inzwischen wurden die Leitlinien für die nächsten vier Jahre erarbeitet und der Grundstein für das berufspolitische Arbeitsprogramm der 12. Amtsperiode gelegt – dies wurde im November 2025 beschlossen. 

Darüber hinaus hat die Vertreterversammlung die Zusammenarbeit und das Zusammenwirken der Gremien der Architektenkammer beleuchtet und sich dafür neue Ziele gesetzt. Es geht um Vernetzung und darum, Fachwissen sichtbar und präsent werden zu lassen. Die inhaltliche Verschränkung der Beschlüsse der Vertreterversammlung mit der Facharbeit der Ausschüsse soll gestärkt werden. 

Um das konkret zu erreichen hat die Vertreterversammlung Ende November beschlossen, den Ausschuss Wettbewerbe und Vergabe mit der Erarbeitung eines berufspolitischen Grundsatzpapiers zu beauftragen. Ziel ist es, öffentliche Auftragsvergaben im Land Berlin grundlegend weiterzuentwickeln und stärker auf Qualität, Vielfalt der Akteurslandschaft sowie langfristige öffentliche Interessen auszurichten.

Ausgangspunkt ist das gemeinsame Leitbild, dass öffentliche Auftragsvergaben eine Garantie für hohe städtebauliche und gestalterische Qualität bieten müssen. Zugleich sollen sie ressourcenschonende und klimafreundliche Lösungen fördern sowie innovative Wege im Planen und Bauen ermöglichen.

Auf Grundlage grundlegender sowie mittel- und langfristig geltender berufspolitischer Positionen sollen konkrete Handlungsempfehlungen für die berufspolitische Interessenvertretung der Architektenkammer Berlin entwickelt werden. Dabei sollen insbesondere die Erkenntnisse aus der aktiven Pilotphase des Vergabekompasses im Jahr 2025 sowie die jährlichen Berichte des Vergabemonitorings aus den Jahren 2021 bis 2024 einbezogen werden.

Die Architektenkammer Berlin richtet sich dabei ausdrücklich an alle am öffentlichen Bauen beteiligten Akteure im Land Berlin und fordert eine Neuausrichtung der aktuellen Vergabepraxis. Insbesondere die zunehmende Fokussierung auf Generalübernehmer- und Totalunternehmervergaben wird kritisch bewertet: Sie stellt eine unangemessene Einschränkung dar und leistet keinen Beitrag zu einer zukunftsfähigen, differenzierten Planungs- und Baukultur in Berlin. Zudem birgt die Bündelung der Verantwortung ganzer Projekte in einer Hand ein erhöhtes Risiko für die öffentliche Hand, da im Falle wirtschaftlicher Schwierigkeiten oder einer Insolvenz komplette Vorhaben scheitern oder über längere Zeit stagnieren können.

Die berufspolitische Debatte mit Beschlussfassung erfolgt erneut mit der Vertreterversammlung – diese ist die zentrale Plattform für die übergreifende berufspolitische Debatte. Das Grundsatzpapier soll anschließend die Basis für die berufspolitische Interessenvertretung der Architektenkammer Berlin zu den Themen Wettbewerbe und Vergabe zu Beginn der 20. Legislaturperiode des Berliner Abgeordnetenhauses und der Bezirksverordnetenversammlungen bilden.