Sachverständigenwesen

Sachverständige gewährleisten eine unabhängige fachliche Beratung, beurteilen Schäden und ermitteln deren Ursachen, sie beurteilen Architektenleistungen und überprüfen und ermitteln Honorare, tragen zur Klärung fachlicher Streitfragen bei oder beurteilen Wert und Zustand einer Sache.

Die Architektenkammer Berlin hat die Aufgabe, Sachverständige öffentlich zu bestellen und zu vereidigen. Mit der öffentlichen Bestellung und Vereidigung von Mitgliedern als Sachverständige stellt sie Bauwilligen, Versicherungen, Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten sowie Gerichten qualifizierte Fachleute zur Verfügung.

In der Architektenkammer Berlin gibt es Sachverständige für unterschiedliche Sachgebiete, die alle weit über dem Durchschnitt liegende Fachkenntnisse auf ihrem Gebiet haben. Sie sind zur Unparteilichkeit verpflichtet.

Für weitere Informationen stehen Ihnen die Mitglieder des Ausschusses Sachverständigenwesen zur Verfügung.


Ausstellung "Mein schönster Schaden"

Die interessantesten, schönsten oder eigenwilligsten Fotos aus der Sachverständigentätigkeit


Die Ausstellung "Mein schönster Schaden" wurde im Rahmen des Tags der Sachverständigen Berlin-Brandenburg eröffnet. Hier finden Sie alle ausgestellten Fotos mit dem dazugehörigen Ausstellungstext.

ABSEHBAR UND UNERWARTET von Justyna Kielbas und Matthias Lorenz

Oft fängt ein Schaden klein an – ein undichtes Dach, ein fehlender Witterungsschutz oder Unklarheit darüber, wer für einen Schaden aufzukommen hat. Die Zeit verstreicht, die Jahre gehen ins Land und das Gebäude nimmt mehr und mehr Schaden. Das Foto zeigt einen Raum in einem denkmalgeschützten Gebäude, das jahrelang leer stand und aufgrund eines Streits den Witterungsbedingungen ausgesetzt war. So oder ähnlich, oft in der Praxis gesehen und im Büroalltag bewertet. Am Ende bleibt nur noch zu retten, was zu retten ist.

Der Moment des Einsturzes manifestiert sich bei diesem Bild auf eine poetische Art. Die Komposition entsteht zufällig, hervorgerufen durch ein kraftvolles Ereignis. Trotzdem erscheint der Raum malerisch und friedlich. Die Ästhetik eines Schadens einzufangen, ist eine Art damit umzugehen.

DENKMALSCHUTZ von Manfred Wunderlich

Historisches Mauerwerk ist mit besonderer Sorgfalt zu bearbeiten. Es wurde von Baumeistern geplant und von Handwerkern gebaut, die offensichtlich zeitlose Architektur in höchster Qualität schaffen konnten.

Ein Baudenkmal, wie diese 120 Jahre alte Siedlung, die ursprünglich für die Bergleute einer Zechenanlage gebaut wurde, sollte deshalb nur von Fachleuten modernisiert werden, die das Bauwerk und seine Geschichte auch im Detail verstehen.

Ein zugemauerter Gossenschlitz und die Überbrückung des Gesimses mit einer Klempnerskulptur müssen bezogen auf die Regenentwässerung weder als denkmalgerecht noch als dauerhaft funktionssicher bewertet werden. Ein gerade durchlaufendes Regenfallrohr ist hier nicht nur einfacher, sondern auch besser (und sogar preisgünstiger).

SCHWAMMBEFALL AN KELLERDECKE von Ulrich Springer

Das Foto zeigt das Kellermauerwerk eines Mehrfamilienhauses, Baujahr 1880. Das Mauerwerk war feucht, der Keller unbelüftet bei einer Temperatur von ca. 15 Grad Celsius. An der Kellerdecke hatte sich echter Hausschwamm gebildet. Mit seiner pelzartigen Struktur der Oberfläche sah das Gebilde wunderschön aus.

PRAGMATISCH von Maximilian von Heckel

Das Bild ist eigentlich recht unspektakulär: Es zeigt eine mit Gipskartonplatten abgehängte Decke im Wohnzimmer eines Berliner Altbaus, aus der immer wieder Wasser tropfte, welches in einer direkt darunter angeordneten Plastikschüssel aufgefangen wurde. So blieb der Wohnraum uneingeschränkt nutzbar. Direkt darüber befand sich eine Dachterrasse, die für die immer wiederkehrenden Wasserzutritte verantwortlich war.

Das Bild erfreut mich durch den scheinbar gelassenen Pragmatismus im Umgang mit einem Langzeitmangel - auch angesichts der durchaus beunruhigenden Nähe zum Stromkabel.

Das kundige Auge erkennt die um die Leckagestelle herum verbreiteten Schimmelkolonien und das Fehlen einer innenraumseitigen Dampfbremse. Insgesamt ein wirklicher Klassiker ...

VIELFÜSSLER ODER DIE NATUR ALS GROSSARTIGER SKULPTEUR von Hans-Jürgen Werner

Eigentlich sollte der „Vielfüßler“ – eine hölzerne Sitzbank in freier Natur – den naturliebenden Wanderer zum Sitzen auf einem wirklich gut gewählten exponierten Ort, einem leichten Hügel vor der Steilküste der Insel Hiddensee mit einem 180 Grand Rundblick auf die Ostsee einladen.

Doch die Faszination beim Fotografen löste nicht der erhabene Panoramablick aus, sondern die irrwitzige, fast künstlerisch skulpturale Verformung der Bank als Resultat der Auseinandersetzung mit den Kräften der Natur: Wind, Regen und Temperatur gegen Holz. Welch schöner Schaden! Er musste fotografisch festgehalten werden – natürlich mit der unterstützenden Inszenierung durch Meer- und Wolkenkulisse.

EDLER SPEISEPILZ von Paul Bungarten

Ort: Fuge unter der raumseitigen Verleistung einer Schiebetürschwelle eines Neubauwohnprojektes vor der Dachterrasse
Zeit: Erster Befall ca. 18 Monate nach Fertigstellung der Wohnung
Pilz: Kräuterseitling, ein „Edler Speisepilz“
Bewertung / Ursache: Die bituminöse Abdichtung und Verwahrung der äußeren Dichtungsbahnen war mangelhaft sowie die Andichtungsebene zu niedrig (wenigerals 5 cm zu der wasserführenden Schicht). Darüber hinaus wurde raumseitig das Dichtband (Dampfsperre) als Verbindung des Fensters zum Rohbau nicht eingebaut
Folge: Durchfeuchtung des Schwellholzes und Befall durch Myzel und Pilzbewuchs
Maßnahmen: Austausch des Schwellholzes der Schiebetüranlage sowie fachgerechte Andichtung und Verwahrung außen und innen

BAUARBEITER GLAUBEN AN DIE REGENERATIONSKRAFT DER NATUR von Johanna Wirth

Der seit 20 Jahren am Wuchsort stehende Straßenbaum der Art Resista-Ulme Sorte „Regal“ hatte eine Höhe von 11,2 m und einen Stammumfang von 63 cm, in 1,0 m Höhe gemessen, erreicht. Im Dezember 2015 wurde in 30 cm Abstand vom Stammfuß eine Leitung 130 cm tief im offenen Graben verlegt. Dabei wurden einseitig alle Wurzeln abgerissen. Bezogen auf einen kreisförmigen Wurzelraum trat ein Verlust von 40 %der Wurzelteile ein. Wenn man die abgerissenen Wurzelenden hätte fachgerecht nachschneiden wollen, wäre der Verlust auf über 40 % angestiegen.

Ulmen sind Ringporer und besitzen ein vergleichsweise schlechtes Abschottungsverhalten. Entsprechend der Richtlinie für die Wertermittlung von Schutz- und Gestaltungsgründer Forschungsgesellschaft für Landschaftsentwicklung und Landschaftsbau FLL, Ausgabe 2002, liegt der bei der Ulme durch den Wurzelverlust in der Vegetationsruhe entstandene Schaden bei 100 % (= Totalschaden).

VOLL DANEBEN von Michael Reichenbach

Diese WC-Anlage in einem Behandlungszentrum für Querschnittslähmung offenbart, dass bedauerlicherweise die reflektierte Anwendung immer wieder hinter dem schematischen Abarbeiten zurückbleibt.

Vorgegebene Kategorisierungen von Bauteilen und Objekten verführen zur unkritischen Verwendung. Die Frage nach Bedarf und Bedürfnis des Nutzenden sowie das ingenieurmäßige strukturierte Erarbeiten von Lösungen verbessern im Allgemeinen die Ergebnisqualität.

GLYZINIE „ERWÜRGT“ REGENFALLROHR von Hubertus Düber

Das eingereichte Foto dokumentiert den Schaden an einem Regenfallrohr, der durch eine Glyzinie (auch Blauregen genannt) verursacht worden ist. Die Pflanze hatte sich bereits auch auf dem Dach des Seitenflügels in einem Berliner Hinterhof ausgebreitet.

In einschlägigen Garten- und Pflanzenlexika ist nachzulesen, dass Glyzinien aufgrund ihres kräftigen Wuchses Bauschäden verursachen können. Empfohlen werden stabile Rankgerüste mit einem Abstand von zwei Metern zu gefährdeten Bauteilen.

Die Glyzinie wurde vor über 20 Jahren in Unkenntnis dieses Sachverhalts von einem Mieter gepflanzt. Die Hausverwaltung hatte mich beauftragt, die Ursachen für Feuchteschäden an einer Treppenhausaußenwand zu untersuchen. Regenwasser war ausgehend von dem defekten Regenfallrohr in das Mauerwerk gelangt.

OFF R(O)AD von Ingmar Taube

Auf dem 2014 entstandenen Foto sieht man die gebrochene Vorderradfelge einer Suzuki, GSX-R 750. Dem Fahrer wurde die Vorfahrt genommen, wodurch es zum Sturz auf die linke Fahrzeugseite kam und das Motorrad mit einem anderen Fahrzeug kollidierte. Bei der Kollision ist der Felgenstern aus der Felge gebrochen. Glücklicherweise blieb der Fahrer unverletzt.

KELLERFENSTER MIT ABWASSERANSCHLUSS von Ulf Ender

Das Bild wurde 2015 in einem Mehrfamilienhaus in Berlin-Mitte aufgenommen.
Es zeigt den Abwasseranschluss eines Kellerfensterschachtes auf der Straßenseite des Gebäudes.

Hier wurden mehrere Fehler gemacht:
- Regenwasserentwässerung über Fäkalienleitung
- kein Geruchsverschluss
- keine Rückstausicherung

FINAL KORRODIERTER BALKONTRÄGER von Christian Meyer

Dieser Beitrag zeigt den Balkonträger eines 1898 errichteten Berliner Mietshauses, den ich 2015 zu sanieren (also neu aufzubauen) hatte.

Es fanden sich fünf Lagen Fliesenbelag, aber keinerlei Abdichtung auf der Trittfläche. Das Haus war in den 1920er Jahren mit einer neuen Fassade versehen worden, die mit einem Luftschlitz auch um den Balkonboden gezogen wurde. So zerfiel die eigentliche Balkonkonstruktion in dem entstanden Hohlraum, ohne dass es bemerkt wurde. Der Schaden wurde erst sichtbar als der Bodenablauf des Balkons erneuert werden musste.

„MULTIKULTUR“ von Heike König

Das Bild zeigt eine Holzgeschossdecke unter einem Dachraum, an der multipler Befall von Holz zerstörenden Pilzen festgestellt wurde. Das Dach war über Jahre nur in dem Maße provisorisch abgedeckt worden, dass Regenwasser eindringen konnte und mit der Zeit ein Lebensraum für vielfältige Pilzarten entstand.

Neben einem weitreichenden Schimmelpilzbefall gediehen hier Keller- und weißer Porenschwamm, Tint- und Trichterlinge und der Echte Hausschwamm einträchtig nebeneinander.

So „erwuchs“ aus einer aus ökonomischen Gründen minimal gehaltenen provisorischen Dachabdeckung eine Multikultur, deren Abbild an die Kunstwerke in den Höhlen von Lascaux bis hin zum floralen Jugendstil des Egon Schiele erinnert.